
Ein kleines Hmong Baby in einem Mei Tai, Vietnam. Die Breite des Mei Tais spielt selbst bei diesem sehr kleinen Baby keine Rolle, da es die Beine gar nicht herausstrecken muss. Foto: Jason Rodriguez

Mei Tai-Tragen auf dem tibetischen Hochplateau. Hier ist das Babytragen kein Lifestyle, sondern eine Notwendigkeit. Foto: Wade Allsopp.

Tibet. Foto: Wade Allsopp.

Ein Baby in einem traditionellen chinesischen Mei Tai, Yunnan Province. Hier werden nicht mal die unteren Trägern benötigt, um das kleine Baby sicher auf dem Rücken zu binden. Auch hier streckt es die Beine nicht heraus. Foto: Jon Bratt.

Eine indische Mutter testet den bumbaumel-Prototyp mit ihrem kleinen Baby. Die Knie sind gebeugt und höher als der Po. So wird die Anhocke-Spreiz-Position gewährleistet.
Wie gut, dass langsam eine Diskussion ins Rollen kommt. Denn zwischen Tragetüchern und Mai Teis gibt es nicht nur viele Unterschiede, sondern es gibt darüber auch viele Meinungen. Das finden wir gut, denn wir bei bumbaumel stehen für eine weltoffene, freie Tragekultur. Wir begrüßen den Dialog in der Trageszene und möchten ihn fördern. Und ich freue mich, dass über uns, die Neuen geredet wird. Doch wie das geschieht, das macht mich nachdenklich. Wenn ich in den gängigen Foren Kommentare lese wie z.B. „bio und fair ist super ... aber die qualität der produkte und ihre nutzbarkeit im sinne der tragestandards ist nun mal auch ein wichtiger bestandteil.“ Oder sogar „schade, wieso informieren sich solche Leute nicht besser?“ Ist das nicht etwas voreilig? Glaubt Ihr wirklich, wir hätten monatelang am ersten Prototypen gearbeitet, erst an der heimischen Nähmaschine und dann mit den Industriemethoden in Indien, ohne dass wir „informiert“ waren? Es klingt fast so, als hätten wir die ganzen schönen Sachen aus Biobaumwolle umsonst gemacht, weil wir uns nicht an die „Tragestandards“ halten können. Man muss doch fragen: Wer definiert diese „Tragestandards“?
Uns geht’s um viel mehr, als unseren Standpunkt in einer dogmatischen Grundsatzdiskussion zu vertreten. Für unseren Geschmack wird in dieser ganzen Diskussionen eins vergessen: Das Babytragen wurde nicht in Deutschland erfunden. Es gibt so Vieles, was wir aus den Erfahrungen anderer Tragekulturen lernen können, dort, wo das Babytragen seit eh und je Massenkultur ist. Deswegen legen wir bei bumbaumel so viel Wert auf Offenheit, Neugier und vor allem Respekt, wenn es um die ganz alten Tragekulturen dieser Welt geht, sei es in Chiapas, Kenia oder Vietnam.
Warum soll das, was seit Jahrhunderten in Asien auf Reisfeldern, in den Bergen und in chaotischen Großstädten funktionierte, nicht auch hier funktionieren? Haben die Eltern in Asien einen anderen Körperbau als wir? Sind ihre Babys anders? Nun, sie leben anders. Ihre Mei Tais müssen gut genug sein, dass sie stundenlang mit dem Baby auf dem Rücken harte Arbeit leisten oder durch den Himalaya steigen können. Babytragen ist dort keine Freizeit-Aktivität, sondern eine Notwendigkeit.
Wie viele Mei Tai-TrägerInnen in Asien werden eine Trageschule besucht haben? Und wissen sie, was die Anhocke-Spreiz-Position ist? Und dass manche Bindevarianten erlaubt sind und andere nicht? Wohl kaum. Aber sie tragen ihre Kinder, genauso wie in Afrika oder Süd-Amerika, ganz natürlich in der Anhocke-Spreiz-Position, vermutlich, ohne dass sie eine Glaubensdiskussion darüber führen müssen. Offensichtlich gibt es in diesen Ländern eine andere Tragekultur als bei uns. Wir brauchen die Unterstützung von kompetenten TrageberaterInnen, weil das Babytragen hier keine Massenkultur ist und die meisten von uns es leider nicht von unseren Müttern gelernt haben. Aber bedeutet das, dass wir auch ein anderes Mei Tai brauchen?
Manche sagen: ja. Das Mei Tai müsse unten verstellbar sein, es müsse einen engen Steg haben, sagen die einen. Es müsse Schnallen haben oder gar Klettverschlüsse, sagen andere. Oder am besten eine Kombination aus allen drei Elementen! Nur so könne man das Baby “korrekt” tragen. Ein Neugeborenes in ein Mei Tai? Niemals! Nicht wenn es so geschnitten ist. Aber wir sehen das anders. Wir gehen davon aus, dass das, was in Asien funktioniert, auch hier funktioniert. Und das, was dort entwickelt wurde, ist das traditionelle Mei Tai: ein rechteckiges Stück Stoff mit angenähten Trägern. Nicht mehr und nicht weniger. Keine Schnallen, keine Ringe, kein Kunststoff, sonst ist es kein Mei Tai mehr. Und ja, dort werden auch die ganz Kleinen so getragen. Wie denn sonst?
Deswegen ist auch unser Mei Tai ein rechteckiges Stück Stoff mit angenähten Bändern. Wir versuchen erst gar nicht, ein Design zu verbessern, das sich für Millionen von asiatischen Eltern im Alltag bewährt hat. Wenn Ihr echtes MT-Tragen erleben wollt – und nicht nur darüber reden wollt!- dann könnt Ihr das mit unserem machen. Oder auch nicht. Es steht euch frei, es zu binden, wie immer Ihr möchtet. Wir bieten eine Trageanleitung an, um den Anfang zu erleichtern. Aber wir sagen niemals, es gibt nur die eine, “richtige” Art, ein Mei Tai zu binden.
Eine der schönsten Augenblicke auf der Messe „Kind und Jugend“ in Köln war für mich der Besuch einer belgischen Trageberaterin. Ich wollte ihr helfen, ihr Baby in das Mei Tai einzubinden, nicht wissend, dass hier eine echte MT-Fachfrau vor mir war. Sie hat gelächelt und mich zurückgehalten. Und dann, mit einer Bewegung, hat sie Ihr Kind auf den Rücken getan und die Träger mit einem Zug vorne zusammen gewunden, wie ich es noch nie gesehen hatte. Und sie hat dabei so gegrinst! Ich habe mich gefreut. Es gibt immer wieder Überraschungen, wenn man für etwas Neues offen ist. Deswegen hoffe ich, dass ich hier mit diesem Blog meinen Teil für eine weltoffene, freie Tragekultur beitragen kann. Über jeden Kommentar freue ich mich.
Eure Sarah von bumbaumel
Anmerkung: jeder Blog ist nur so gut wie die Leute, die darin schreiben. Wir freuen uns auf eure Beiträge. Sachen, die auf uns rassistisch, beleidigend oder menschenfeindlich wirken, kicken wir kurzerhand hinaus.
Thursday, 10-12-09 14:28
Wie kann man so einen Text verfassen und gleichzeitig auf der eigenen HP, eine Tragehilfe, den Ringsling, der in dieser und ähnlicher Form in vielen Kulturen seit Ewigkeiten vorkommt, so fachlich inkompetent und schlichtweg peinlich mies machen? Verstehe ich nicht.
Übrigens
Thursday, 10-12-09 14:30
...es heißt nicht "Anhocke-Spreiz-Position", sondern "Anhock-Spreiz-Haltung".
Vielleicht wäre so eine Trageberater-Ausbildung nicht die schlechteste Grundbildung vorab gewesen, oder?
Thursday, 10-12-09 18:28
Gibt es nichts positives hervorzuheben? Ist die Tragehilfe nicht gut genug, dass sie nur durch schlechtmachen anderer punkten kann? Schade, kein Versuch wert.
Thursday, 17-12-09 00:08
Himmel anna, man kann es aber auch übertreiben. Zum Verständnis: Die Shopbetreiberin ist Amerikanerin und hat daher vielleicht nicht den superkorrekten deutschen Fachausdruck verwendet. Na und? Ihr deswegen gleich mangelnde Kompetenz in Sachen Tragen vorzuwerfen finde ich dann doch ein starkes Stück. Mir gefallen die bumbaumelsachen. Und es sind mal wirklich Tragen aus fairer Produktion. Andere Tragehilfenhersteller flüchten sich hinter so Wischiwaschi-Formulierungen wie "Unter fairen Bedingungen hergestellt" was alles oder nichts heißen kann.
Und nein, mir ist es nicht egal, ob die Tragehilfe in der ich mein Kind trage, in Indien oder China von anderen Kindern oder jungen Frauen unter miesesten Bedingungen genäht wurde.
Monday, 09-01-12 00:52
I might be beating a dead horse, but thank you for psoitng this!
Monday, 09-01-12 11:18
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Wednesday, 11-01-12 02:54
Great post with lots of ipmoartnt stuff.
Wednesday, 11-01-12 14:30
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Wednesday, 25-01-12 08:45