29.01.10

Gendreck in indischer Biobaumwolle?

By: Anke Engelmann

„Betrug mit angeblicher Biobaumwolle“, so die Financial Times Deutschland (FTD), „Baumwolle gefälscht. H&M und C&A gehen Betrügern auf den Leim“, titelte die Welt. Demnach soll indische Biobaumwolle in Deutschland zu 30 Prozent mit genmanipulierter Baumwolle verunreinigt sein. Die FTD spricht von Betrug, andere Zeitungen schlossen sich an, auch auf Eco-Blogs wird das Thema heftig diskutiert – und oft mit Halbwahrheiten und unsauberen Recherchen argumentiert.


Wie peinlich, wenn Journalisten voneinander abschreiben, und dann nicht einmal ihre Quellen benennen. Das geht schon los bei der Wortwahl: GMO-Baumwolle (genetically modified organism) ist nicht ganz dasselbe wie Bt-Baumwolle, eine in Indien weit verbreitete und von der Firma Monsanto entwickelte spezielle Genvariante. Der Bio-Branche und den Green-Fashion-Labels jedenfalls tun das Durcheinander und die wilden Verschwörungstheorien nicht gut. Schließlich verlassen sich Anbieter und Kunden darauf, dass die Zertifizierungen wasserdicht sind. An dieser Stelle soll es um mögliche politische Hintergründe gehen.


„Falsche Zertifizierungen sind in der Tat vorgekommen“, bestätigt auf bumbaumel-Anfrage Sanjay Dave, Chef von Apeda (Agriculture and Processes food products Export Development Authority) - die Export-Behörde ist dem indischen Handelsministerium unterstellt.  Nachdem die Apeda 2008 bei zwei Topp-Zertifizierern „erhebliche Fahrlässigkeit“ bemängelt und sie dafür mit einer Geldstrafe belegt habe, hätten beide drei Monate Zeit gehabt, ihr Prüfsystem zu verbessern. Danach hatte die Apeda nichts mehr zu mäkeln, so Dave.


Schwachstelle des Bio-Prüfsystems sei das Saatgut, erläutert Dave. In dem kritisierten Verfahren sei die Herkunft des Samens nicht vollständig geprüft worden - Bt-Baumwolle sei auf dem indischen Markt frei erhältlich. Sowohl die CU als auch die Ecocert bestreiten jedoch, dass die Sanktionen etwas mit falschen Bio-Siegeln für gentechnisch veränderte Baumwolle zu tun hatten. So beteuert ecocert, die Prüfstelle habe niemals GMO- oder konventionelle Baumwolle als biologisch angebaut ausgezeichnet – und das sei weder von der Apeda noch von der Zulassungsstelle Indian Accreditation Body (NAB) je bestritten worden. Vielmehr seien die Sanktionen wegen einer Abweichung von der indischen Kontrollnorm (National Programme on Organic Production) zustande gekommen. Und zu keinem Zeitpunkt habe die Apeda der Ecocert die Zulassung entzogen.


Vom Samen zum Shirt: Bei der Zertifizierung wird standardmäßig jede Stufe des Produktionsprozesses geprüft. Auch das Saatgut. Dabei muss sich die Zertifizierungsstelle darauf verlassen können, dass die bisherigen Kontrollen in Ordnung sind, erläutert Rainer Friedel von der Peterson Control Union Deutschland. Die Vorwürfe der FTD kann Friedel nicht kommentieren – er ist ausschließlich für die Produktion in der Bundesrepublik zuständig. Doch gegen „kriminelle Machenschaften“ sei niemand gefeit. „Wenn jemand an einer Stelle GMO-Baumwolle in ein sauberes Produkt mischt, ist das kriminell.“


Anscheinend wird derzeit in Indien der Bio-Baumwolle-Begutachtungskuchen neu aufgeteilt und auch der indische Staat will einen Teil abhaben: Für Zertifizierungen zahlen die Labels eine Menge Geld. Seitdem die „Gerüchte bezüglich genverändertem Saatgut im Markt kursieren“, so die CU, verzeichne sie Einbußen. Dabei waren die Niederländer lange Marktführer bei Anbauern und Verarbeitern. Doch die häufigeren und intensiveren Kontrollen lassen die Kosten in die Höhe schnellen. Folge: Der CU springen die Kunden ab. Nach den Kriterien des National Programme for Organic Production (NPOP) sind in Indien derzeit 18 Zertifizierungsstellen zugelassen.


Die Bio-Baumwolle wird in Indien derzeit ausschließlich nach den gots zertifiziert. Nach dem Willen der Regierung soll sich das ändern: Fachleute arbeiten derzeit an indischen „Organic textile Standards“, so der Apeda-Chef. Gleichzeitig soll ein webbasiertes Kontrollsystem eingeführt werden, bei dem die Inspektoren aller Zertifizierungsstellen ihre Checkergebnisse per GPS erfassen und weitergeben sollen. In Deutschland wird das TraceNet genannte System im Februar auf der BioFach in Nürnberg vorgestellt.



 
 
Italiano
 
Fran
 
Portugu
 
Espa
twitter delicious digg linkedin facebook wong edelight google
Stilvolles Babytragen in Bioqualität